Meine Bedenken den Umzug von Neukölln nach Friedrichshain am 1. Mai zu bewerkstelligen sind unnötig. Zwar habe ich vorsichtshalber den S-Bahn-Ring gewählt, um nicht mit Sack und Pack quer durch das Kriegsgebiet zu marschieren, aber Vorteil ist dabei eigentlich nur, dass ich mich an etwas weniger Menschen vorbei quetschen muss.
Nach getätigtem Wohnungs- und Kiezwechsel wage ich mich dann doch noch ins Epizentrum.
1. Mai verläuft laut Aussagen einiger 'Einheimischer' stets mehrere Jahre ohne schwerwiegende Zwischenfälle, um dann plötzlich mit richtig viel Hach und Krach zelebriert zu werden.
Dieses Jahr ist ein ruhiges Jahr. Was Ausschreitungen anbelangt zumindest. Unzählige Konzerte, politische Anlässe und mehr oder weniger improvisierte Essmöglichkeiten locken so viele Menschen auf die Strasse, dass ich zum ersten Mal wirklich eine Vorstellung davon bekomme, wie gross diese Stadt ist.
Gross ist aber auch der Raum den man hier hat.
Raum zu leben.
Leben zu lassen.
Auszuleben.
Leben eben.
Leider war und ist das ja nicht immer so. Dies hier nur zum ge-/bedenken.
Friedrichshain konnte ich noch nicht wirklich entdecken. Dafür war zu viel los in letzter Zeit. Es scheint aber eine Art Kreis 5 (Zürich) zu sein. Von der Entwicklung her zumindest. Kreuzberg demzufolge Kreis 4 und Neukölln? Kreis 3 vielleicht? Ex-Hip, Momentan-Hip/Kurz vor dem Hip-Abgang, Zukunfts-Hip?
Auffällig sind die vielen renovierten Wohnhäuser, die ruhigen Wohnquartiere und die schmucken Läden.
Jetzt ist Berlin-Mitte auch plötzlich näher. Und damit verschlägt es mich erstmals in die etwas anderen Gefilde Berlins.
Schuld daran ist aber primär der brachial unappetitliche Filterkaffee und eine gut funktionierende George Clooney Maschine bei der Arbeit. Beides treibt mich in die Nespresso-Filiale an der Friedrichstrasse. Zu den Kapseln gibt es dann kostenlos Kulturschock der Superlative. Hier bedrängen nicht Graffitis die Sinne, sondern Gucci, Prada, Hugo Boss und Co.. In ihrer ganzen Pracht und Macht.
Da denk ich kann ich mir auch gleich den Rest geben und steuere noch den Touri-Hot-Spot 'Checkpoint Charlie' an.
Was hier traurig stimmt sind nicht die Erinnerungen an Geschehenes, sondern die Jungs, die für Geld als Grenzsoldaten posieren.
Das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park hingegen ist eindrücklich, der Ort stimmt nachdenklich und man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man ohne Geld rauszurücken fotografiert.
Auto/Motorradfotos lasse ich hier aber mal beiseite. Und Fotografieren auf Ausstellungen ist auch in Berlin meist nicht so gern gesehen...
Darüber zum Beispiel.