Sonntag, 22. April 2012

Frühling!

Er ist da.
Und mit ihm die 'Kurze-Röcke-Zeit'. Es wimmelt von Frauenbeinen in Strümpfen und in Textil, welches in seiner ganzen stylistischen Mannigfaltigkeit immer oberhalb der Knie endet. Tatsächlich sind es auch nicht nur die vor Kurzem noch mit beschnallten Wildlederstiefeln beschuhten Modelbeine. Nein, selbst die superedgy Punk-Fraktion wagt sich ans 'Frau-Sein'!
Inwiefern das eine Augenweide für die Herren der Schöpfung ist lasse ich mal aussen vor. Unsereins muss sich jedenfalls noch in Geduld üben- die Männerwelt scheint sich ihrer Körperlichkeit wohl erst im Sommer bewusst zu werden. Und bis dahin wird der Mensch auf Vordermann gebracht und gejoggt was die Berliner Pflastersteine, Uferpfade und Parkwege aushalten.

Wer auch früher schon aufmerksam mitgelesen hat der versteht nun folgende Überleitung vom Joggen zu kitschigsten Impressionen 'meines' Tempelhofes.




Gestern war Shopping-Tag. Zum allerersten Mal wagte ich mich in die Höhle des Löwen: Berlin Mitte/Alexanderplatz und Umgebung. Und das an einem Samstag. --> Wenn schon- denn schon!

Das Alexa und das Galeria-Kaufhaus zu betreten brachte ich dennoch nicht übers Herz. Dafür ging's schnurstracks ins Burg&Schild, den Red Wing Shoe- und den Converse Store und noch schneller wieder in die U-Bahn nach Neukölln.

Beute: 1 Jeanshemd wofür ich 20 x soviel hinblätterte wie für eine Lewis Jeans, welche ich letzte Woche für 4€ am Maybachufer-Flohmi ergattert habe (und da waren noch 5 vergessene Euro in der Hosentasche versteckt!) und ein neues Paar Chucks, welches für Fr.10.- günstiger zu haben war als bei uns.

Fazit: Berlin ist günstig- aber eben nicht überall.
Dafür habe ich mich wieder ein bitzli wie daheim in Züri gefühlt. Ahja, und vom netten Tim bekam ich noch eine endlos-Liste mit Ausgehtipps.

Merken: Montag sofort das Praktikum künden, damit ich die Nächte an Konzerten und Bars (in welche man manchmal nur durch klopfen an der Rückwand einer bestimmten Telefonzelle Einlass erhält...) durchmachen kann.

Habe mich ja schon damit versucht.

Bsp.1:






Bsp.2:


 


Bsp.3:





Anmerkung zu Bsp. 1: Wenn die mal was organisieren die Berliner, dann wohl richtig. Dank einem deutschen Alkoholunternehmen durften die 20er Jahre aufleben. Und das in Perfektion.

Anmerkung zu Bsp. 2: In einer der schönsten Konzertlokalität (ich rede von der Substanz, nicht vom Zustand) die ich besucht habe --> eine der besten Bands. Doch so wie der Konzertsaal gefüllt war scheinen die Berliner meine Meinung nicht zu teilen. Wenn dann noch jemand 'drop your panties' in Richtung Bühne brüllt (stocknüchtern!), dann adaptiere ich die Fragezeichen welche GOMEZ aussenden und hänge noch ein schweizerisches Kopfschütteln dran.

Das 'Mager-Publikum-Problem' wiederholt sich bei Bsp.3. Zwar ist die Band nicht ansatzweise so bekannt wie oben genannte Musikgenies, nichtsdestotrotz entschuldigt das nicht die spärliche Menge, welche sich Samstagabend für REVERENT MOTEL im Wild at Heart einfindet. Nicht einmal Fussballspiel entschuldigt das. Ja, NICHT EINMAL FUSSBALL ENTSCHULDIGT DAS herrgottnochmal. Jedenfalls war die Band eine Eingebung- welche dank unglaublicher Trinkfestigkeit der Musikanten bis 4 Uhr andauerte.


Zurück zum Merkpunkt: Entweder Job loswerden oder einfach hinnehmen, dass UNMÖGLICH alles, was diese Stadt an Lohnenswertem zu bieten hat gehört, gesehen und erlebt werden kann.
Entscheide mich für Zweiteres. Auch weil mir die Arbeit richtig zu taugen beginnt.

Apropos Arbeit: damit hier auch geglaubt wird dass ich ordentlich am rackern bin, hier einige Impressionen vom Fotoshooting vorletzte Woche. Natürlich darf das nicht an die Öffentlichkeit. Habe ja aber auch nix unterschrieben? So ein kleines Sneak&Peak muss schon sein- und dank Photoshop wird ja auch nicht zu viel verschenkt. Wen's interessiert muss sich die nächste H.O.M.E-Ausgabe organisieren. Oder die übernächste? Das mit dem Überblick klappt noch nicht so richtig...
Tatatatttaaaaaaa:





Was ausser tonnenschwere Tische zusammenschrauben und wenig schlafen habe ich sonst noch gelernt?

-Dass die Typen, welche an den Ticketautomaten der U-Bahnstationen rumlungern keine Bösewichte sind die mir als ahnungsloser Ausländer irgendwas Gefälschtes andrehen wollen. Da werden lediglich alte Tickets (d.h. solche, die noch eine bestimmte Zeit gültig sind aber nicht mehr gebraucht werden) eingesammelt und dann mehr oder weniger günstig weiterverkauft. Kein Grund für arrogant-ignorierendes Abweisen also. Nur die gestempelte Zeit sollte kontrolliert werden...
-Dass man sich ohne schlechtes Gewissen auf alle Wiesen jeglicher Parks (und davon gibt es hier wirklich unglaublich viele) legen darf, obwohl die 'Betreten des Rasens verboten'-Schilder ausdrücklich das Gegenteil behaupten.
-Dass man sich als Raucher nicht schlecht fühlen muss. Auch IN den Bars nicht.
-Dass man sich an den Müll überall gewöhnen kann. Weil er tatsächlich weggeräumt wird- einfach etwas später.


Dass hier alles irgendwann mal geschehen kann.



Montag, 9. April 2012

Ostern


In Berlin lernt man einfach Leute kennen. Irgendwo spricht immer irgendwer mit dir. Nicht nur an Feiertagen. Gestern war es Kurt der Filmausstatter mit Rocker-Vergangenheit. Gibt es hier auch Menschen die ein langweiliges Leben führen?
Folge: Kopfweh heute morgen. 


Berlin ist schön. Kreativ und lebendig. Gemütlich und überraschend. Und alles ist mehr oder weniger überwältigend- ohne durchdachtes Konzept sondern eher zufällig. Berlin ist echt schön.

Und voller Kopfsteinpflaster. Echt jetzt- nirgendwo so viele Pflastersteine gesehen wie in Berlin.


Touri -Tipp 1:


Das jüdische Museum.
Selbst wenn man sich nicht wahnsinnig für jüdisches Leben und Geschichte interessiert ist die Dauerausstellung so ziemlich das bestkonzipierte Museum das ich je gesehen habe. Daniel Liebeskind hat's gebaut.




Jüdisches Museum Berlin


Touri -Tipp 2:

Samstag nachmittags- Konzerte in der Philharmonie für 30 €. 1-A-Akustik.

Daneben gleich Mies van der Rohe. Von aussen gratis.

Und dann aber schnell wieder abhauen. Die Gegend um den Potsdamerplatz ist grässlich- neu.


Dann lieber Rixdorf wo man sich fühlt als sei man in nem böhmischen Dorf gelandet.

Oder ein paar Strassen weiter. Hier wird auch gelebt.
 


Berlin ist schön...







Die erste Woche...


... ist durch. Fühlt sich aber nach viel mehr an. Als hätte ich ein viertel Leben durchgemacht. Hat wohl mit den vielen Gesichtern dieser Stadt zu tun.

Bis zur Arbeit

Trotzt vorbildlicher Vorbereitung kommt alles Anders. Der Busersatz für die S42 kommt nicht. Nach 25min siegt meine Unruhe. Die geduldig Wartenden um mich herum scheinen alle- unter geheimer Anweisung des Deutschen Verkehrsverbundes- via Grundwasser mit Ritalin betäubt worden sein. Ich jedenfalls bin immun und sehe meine Mission klar vor mir: rechtzeitig zur Arbeit gelangen. Gottseidank habe ich eine ‚Not-halbe-Stunde’ eingeplant und kann nun via U-Bahn los. Reicht sogar noch für Kaffee-to-go (Mein Gott das ist Kaffee ????????)
Beim ersten Umsteigen ändert das U-Bahn-Klientel schon drastisch. Wo ich mich mit Belstaff_Jacke und Edwin-Jeans erst noch wie E.T. gefühlt habe, stehe ich nun zwischen anderen Bleichgesichtern. Vereinzelt Jungs mit marineblauen, in die Ü-Knöchel-Boots gestopften Hosen und gewagten Schalkreationen, und Girls, deren schlanke Schenkel in Wildlederstiefel (unter 3 Schnallen gilt nicht) und flache Brüste unter nicht aus der Mode kommenden Parkas versteckt sind. Ich staune wie hier roter Nagellack und rosa Lippen kein morgendlicher Fehlgriff zu sein scheint, sondern brutale Absicht.
Bis zu meinem Ziel- dem Schlesischen Tor- verringert sich die Anzahl der türkisch- Stämmigen nicht auf 0, aber Männerhaare am ganzen Haupt sind nun getrimmt und die Kleidung erhält einen offensichtlich sportlichen Charakter- zumindest was die Marken angeht.
Beim Ausstieg werde ich dann von 2 Alkoholikern und einer Punkerin mit ihren 4 Hunden empfangen. Ich bin definitiv woanders als noch vor 15 Minuten!
Eine Horde Kinder, die alle zu Til Schweiger’s hipper Brut gehören zu sein scheinen und der Spätsechziger mit Slayer-T-Shirt, Gitarre und Verstärker ausgerüstet bestätigen dies vollends. Türkisch-Neukölln ist hier nur noch an den unzähligen Kiosken, Back- und Kebapstuben erkennbar.

Ich brauche noch einen Kaffee (einen Richtigen!) bevor ich mich der Arbeitswelt stelle. Ich werde schnell fündig und bekomme meinen richtigen Kaffee- bei musikalischer Live-Unterhaltung des Besitzers und den 7Saiten seiner ‚Sas'. Na wenn das kein guter Montagmorgen ist.

Mein Arbeitsplatz (Gebäude ganz links. Sicht auf die Spree)



Bei der Arbeit

Alle furchtbar nett. Das ist hier, das ist da- komm’ erst mal an. Und dann geht’s los. Pause machen lediglich die Raucher- wenn überhaupt. Mittag machen sie nur wenn dran gedacht wird. Oder wenn das Magenknurren die konzentrierte Stille stört. Ansonsten: effizientes, bestimmtes Arbeiten. Beeindruckend.


Nebst der Arbeit

Feierabendbier in der Blauen Ente.  Genau so ist die perfekte Bar. Es wird trotz Rauchverbot geraucht. Überall. Auch auf den U-Bahnstationen- wenn nicht grade der Sicherheitsdienst rumsteht.
Bier wird übrigens auch überall getrunken. Wer bei uns schon fast als Alkoholiker verschrien wird wenn er abends mit ner Flasche Bier auf dem Bahnsteig rumsteht, der ist hier Normalbürger. Zu fast jeder Tageszeit hat der Berliner eine Flasche Bier zwischen die Klauen gekrallt.
Da oute ich mich mit Cola Zero mühelos als Ausländerin- auch ohne dass ich den Mund aufmache. Und auch die Tatsache dass ich ein Ticket für die Öffentlichen löse verrät meine Herkunft.
Wie man nämlich als Berliner U-Bahn fährt erfahre ich ziemlich schnell. Tickets werden nicht gelöst. Und wenn ne Kontrolle kommt schlängelt man sich irgendwo zwischen all den anderen Schwarzfahrern raus, bekommt von jemandem, der tatsächlich ein Ticket gelöst hat, den Fahrschein zugesteckt, oder man weigert sich trotz Aufforderung des Sicherheitsbeamten so lange ein Ticket oder Ausweis zu zeigen und auszusteigen, bis der Kontrolle nichts anderes übrig bleibt, als den blockierten Zug aufzugeben und woanders weiterzukontrollieren. Hier motzt niemand über den ticketlosen Übeltäter der die Abfahrtszeit verzögert. Die Beamten sind die Unruhestifter hier....
Fortan wird also ohne Ticket gefahren- ab und zu zumindest, und nie ganz ohne schlechtes Gewissen...


Sport darf sein

Gleich ums Eck liegt das wohl schönste Hallenbad der Welt... 
Glücklicherweise ist Ostern- da ist Samstag ausnahmsweise kein FKK-Schwimmen sondern ganz normaler Schwimmbetrieb... Glück gehabt.



Meine Jogging-Route- überraschend: Wo sonst auf der Welt rennt man auf ehemaligen Abflugrampen?...
Flughafen Tempelhof ist Paradies für alles Mögliche. 


Sonntag, 1. April 2012

Hallo Berlin!

Gestern Abend:
Ankunft in Berlin Neukölln. --> Unbedingt abklären was die 2 L's sollen. Wollen die sicher gehen dass Touristen nicht in Panik geraten dass sie in Köln gelandet sind? Würde ja das 'Neu' reichen. Ausserdem landen keine Touristen in Neukölln. Noch nicht. Bin ich Tourist?

Mein neues Zuhause für 1 Monat: gross, schön, alt, anders.
Bei Manuel und Alice und dem ungarischen Käterchen und dem ungarischen Kätzchen.
Die Türen werden hier grundsätzlich nie geschlossen. Und wir die einzigen 'Deutschen' im Haus. Bin ich tatsächlich in Berlin und nicht irgendwo in der Türkei?

Heute:
Nach unbeholfenem sehr leisem Herumschleichen (wieso stehe ich auch früher auf...) will ich als pflichtbewusste Schweizerin den zukünftigen Arbeitsweg 'abfahren'. Nur so zur Sicherheit.
Ha! Ausfall der S42 bis Mitte April...
Der Info-Mann am Bhf erklärt mir nicht nur wie man Monatstickets aus den fiesen Automaten löst und wo Ersatzbusse fahren, sondern steckt mir selbstverständlich auch, dass ich dafür kein Ticket lösen brauche- wird eh nich' kontrolliert... Na dann: Schönen Sonntach'!




So ist also Ostberlin.
Oder zumindest jene Bereiche die ich mitbekomme von dem Bereich in dem ich mich bewege.
Ich brauche Prepaid-Karten fürs Handy. Natels gibt's hier ja nicht. 
Gottseidank sind hier Sonntags immerhin die türkischen Zeitungs-Tabak-Dings-Krams-Läden geöffnet.
Es gibt nicht nur die Karten sondern auch gratis Oliven-Handcrème gegen die Kälte auf die Hände gestrichen. Scheiss Wind.
Arbeitsort steht aber noch.

Touri-Programm für heute: East-Side-Gallery weil's grade so schön um's Eck liegt. 





Szeni-Programm für heute: Milchkaffee und Blaubeermuffin am Oranienplatz/Kreuzberg. Den Flohmarkt am Maybach-Ufer habe ich nur noch in der Abbau-Phase erlebt. Aber Sonntags ist ja immer Flohmarkt-Tag in Berlin. Und der Sonntag kommt hier ja auch wieder- wie bei uns.

Meine Trouvaillen auf dem Heimweg: