Montag, 9. April 2012

Die erste Woche...


... ist durch. Fühlt sich aber nach viel mehr an. Als hätte ich ein viertel Leben durchgemacht. Hat wohl mit den vielen Gesichtern dieser Stadt zu tun.

Bis zur Arbeit

Trotzt vorbildlicher Vorbereitung kommt alles Anders. Der Busersatz für die S42 kommt nicht. Nach 25min siegt meine Unruhe. Die geduldig Wartenden um mich herum scheinen alle- unter geheimer Anweisung des Deutschen Verkehrsverbundes- via Grundwasser mit Ritalin betäubt worden sein. Ich jedenfalls bin immun und sehe meine Mission klar vor mir: rechtzeitig zur Arbeit gelangen. Gottseidank habe ich eine ‚Not-halbe-Stunde’ eingeplant und kann nun via U-Bahn los. Reicht sogar noch für Kaffee-to-go (Mein Gott das ist Kaffee ????????)
Beim ersten Umsteigen ändert das U-Bahn-Klientel schon drastisch. Wo ich mich mit Belstaff_Jacke und Edwin-Jeans erst noch wie E.T. gefühlt habe, stehe ich nun zwischen anderen Bleichgesichtern. Vereinzelt Jungs mit marineblauen, in die Ü-Knöchel-Boots gestopften Hosen und gewagten Schalkreationen, und Girls, deren schlanke Schenkel in Wildlederstiefel (unter 3 Schnallen gilt nicht) und flache Brüste unter nicht aus der Mode kommenden Parkas versteckt sind. Ich staune wie hier roter Nagellack und rosa Lippen kein morgendlicher Fehlgriff zu sein scheint, sondern brutale Absicht.
Bis zu meinem Ziel- dem Schlesischen Tor- verringert sich die Anzahl der türkisch- Stämmigen nicht auf 0, aber Männerhaare am ganzen Haupt sind nun getrimmt und die Kleidung erhält einen offensichtlich sportlichen Charakter- zumindest was die Marken angeht.
Beim Ausstieg werde ich dann von 2 Alkoholikern und einer Punkerin mit ihren 4 Hunden empfangen. Ich bin definitiv woanders als noch vor 15 Minuten!
Eine Horde Kinder, die alle zu Til Schweiger’s hipper Brut gehören zu sein scheinen und der Spätsechziger mit Slayer-T-Shirt, Gitarre und Verstärker ausgerüstet bestätigen dies vollends. Türkisch-Neukölln ist hier nur noch an den unzähligen Kiosken, Back- und Kebapstuben erkennbar.

Ich brauche noch einen Kaffee (einen Richtigen!) bevor ich mich der Arbeitswelt stelle. Ich werde schnell fündig und bekomme meinen richtigen Kaffee- bei musikalischer Live-Unterhaltung des Besitzers und den 7Saiten seiner ‚Sas'. Na wenn das kein guter Montagmorgen ist.

Mein Arbeitsplatz (Gebäude ganz links. Sicht auf die Spree)



Bei der Arbeit

Alle furchtbar nett. Das ist hier, das ist da- komm’ erst mal an. Und dann geht’s los. Pause machen lediglich die Raucher- wenn überhaupt. Mittag machen sie nur wenn dran gedacht wird. Oder wenn das Magenknurren die konzentrierte Stille stört. Ansonsten: effizientes, bestimmtes Arbeiten. Beeindruckend.


Nebst der Arbeit

Feierabendbier in der Blauen Ente.  Genau so ist die perfekte Bar. Es wird trotz Rauchverbot geraucht. Überall. Auch auf den U-Bahnstationen- wenn nicht grade der Sicherheitsdienst rumsteht.
Bier wird übrigens auch überall getrunken. Wer bei uns schon fast als Alkoholiker verschrien wird wenn er abends mit ner Flasche Bier auf dem Bahnsteig rumsteht, der ist hier Normalbürger. Zu fast jeder Tageszeit hat der Berliner eine Flasche Bier zwischen die Klauen gekrallt.
Da oute ich mich mit Cola Zero mühelos als Ausländerin- auch ohne dass ich den Mund aufmache. Und auch die Tatsache dass ich ein Ticket für die Öffentlichen löse verrät meine Herkunft.
Wie man nämlich als Berliner U-Bahn fährt erfahre ich ziemlich schnell. Tickets werden nicht gelöst. Und wenn ne Kontrolle kommt schlängelt man sich irgendwo zwischen all den anderen Schwarzfahrern raus, bekommt von jemandem, der tatsächlich ein Ticket gelöst hat, den Fahrschein zugesteckt, oder man weigert sich trotz Aufforderung des Sicherheitsbeamten so lange ein Ticket oder Ausweis zu zeigen und auszusteigen, bis der Kontrolle nichts anderes übrig bleibt, als den blockierten Zug aufzugeben und woanders weiterzukontrollieren. Hier motzt niemand über den ticketlosen Übeltäter der die Abfahrtszeit verzögert. Die Beamten sind die Unruhestifter hier....
Fortan wird also ohne Ticket gefahren- ab und zu zumindest, und nie ganz ohne schlechtes Gewissen...


Sport darf sein

Gleich ums Eck liegt das wohl schönste Hallenbad der Welt... 
Glücklicherweise ist Ostern- da ist Samstag ausnahmsweise kein FKK-Schwimmen sondern ganz normaler Schwimmbetrieb... Glück gehabt.



Meine Jogging-Route- überraschend: Wo sonst auf der Welt rennt man auf ehemaligen Abflugrampen?...
Flughafen Tempelhof ist Paradies für alles Mögliche. 


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