... ist durch. Fühlt sich aber nach viel mehr an. Als hätte ich ein viertel
Leben durchgemacht. Hat wohl mit den vielen Gesichtern dieser Stadt zu tun.
Bis zur Arbeit
Trotzt
vorbildlicher Vorbereitung kommt alles Anders. Der Busersatz für die S42 kommt
nicht. Nach 25min siegt meine Unruhe. Die geduldig Wartenden um
mich herum scheinen alle- unter geheimer Anweisung des
Deutschen Verkehrsverbundes- via Grundwasser mit Ritalin betäubt worden sein. Ich
jedenfalls bin immun und sehe meine Mission klar vor mir: rechtzeitig zur Arbeit
gelangen. Gottseidank habe ich eine ‚Not-halbe-Stunde’ eingeplant und kann nun
via U-Bahn los. Reicht sogar noch für Kaffee-to-go (Mein Gott das ist Kaffee
????????)
Beim ersten
Umsteigen ändert das U-Bahn-Klientel schon drastisch. Wo ich mich mit Belstaff_Jacke
und Edwin-Jeans erst noch wie E.T. gefühlt habe, stehe ich nun zwischen anderen
Bleichgesichtern. Vereinzelt Jungs mit marineblauen, in die Ü-Knöchel-Boots
gestopften Hosen und gewagten Schalkreationen, und Girls, deren schlanke
Schenkel in Wildlederstiefel (unter 3 Schnallen gilt nicht) und flache Brüste
unter nicht aus der Mode kommenden Parkas versteckt sind. Ich staune wie hier
roter Nagellack und rosa Lippen kein morgendlicher Fehlgriff zu sein scheint,
sondern brutale Absicht.
Bis zu
meinem Ziel- dem Schlesischen Tor- verringert sich die Anzahl der türkisch-
Stämmigen nicht auf 0, aber Männerhaare am ganzen Haupt sind nun getrimmt und
die Kleidung erhält einen offensichtlich sportlichen Charakter- zumindest was
die Marken angeht.
Beim
Ausstieg werde ich dann von 2 Alkoholikern und einer Punkerin mit ihren 4 Hunden empfangen. Ich bin
definitiv woanders als noch vor 15 Minuten!
Eine Horde
Kinder, die alle zu Til Schweiger’s hipper Brut gehören zu sein scheinen und
der Spätsechziger mit Slayer-T-Shirt, Gitarre und Verstärker ausgerüstet
bestätigen dies vollends. Türkisch-Neukölln ist hier nur noch an den unzähligen Kiosken, Back- und Kebapstuben erkennbar.
Ich brauche
noch einen Kaffee (einen Richtigen!) bevor ich mich der Arbeitswelt stelle. Ich werde schnell
fündig und bekomme meinen richtigen Kaffee- bei musikalischer Live-Unterhaltung des Besitzers und den 7Saiten seiner
‚Sas'. Na wenn das kein guter Montagmorgen ist.
Mein Arbeitsplatz (Gebäude ganz links. Sicht auf die Spree)
Bei der Arbeit
Alle
furchtbar nett. Das ist hier, das ist da- komm’ erst mal an. Und dann geht’s
los. Pause machen lediglich die Raucher- wenn überhaupt. Mittag machen sie nur
wenn dran gedacht wird. Oder wenn das Magenknurren die konzentrierte Stille
stört. Ansonsten: effizientes, bestimmtes Arbeiten. Beeindruckend.
Nebst der Arbeit
Feierabendbier
in der Blauen Ente. Genau so ist
die perfekte Bar. Es wird trotz Rauchverbot geraucht. Überall. Auch auf den
U-Bahnstationen- wenn nicht grade der Sicherheitsdienst rumsteht.
Bier wird
übrigens auch überall getrunken. Wer bei uns schon fast als Alkoholiker
verschrien wird wenn er abends mit ner Flasche Bier auf dem Bahnsteig rumsteht,
der ist hier Normalbürger. Zu fast jeder Tageszeit hat der Berliner eine
Flasche Bier zwischen die Klauen gekrallt.
Da oute ich
mich mit Cola Zero mühelos als Ausländerin- auch ohne dass ich den Mund
aufmache. Und auch die Tatsache dass ich ein Ticket für die Öffentlichen löse
verrät meine Herkunft.
Wie man
nämlich als Berliner U-Bahn fährt erfahre ich ziemlich schnell. Tickets werden
nicht gelöst. Und wenn ne Kontrolle kommt schlängelt man sich irgendwo zwischen
all den anderen Schwarzfahrern raus, bekommt von jemandem, der tatsächlich ein
Ticket gelöst hat, den Fahrschein zugesteckt, oder man weigert sich trotz
Aufforderung des Sicherheitsbeamten so lange ein Ticket oder Ausweis zu zeigen
und auszusteigen, bis der Kontrolle nichts anderes übrig bleibt, als den
blockierten Zug aufzugeben und woanders weiterzukontrollieren. Hier motzt
niemand über den ticketlosen Übeltäter der die Abfahrtszeit verzögert. Die Beamten
sind die Unruhestifter hier....
Fortan wird
also ohne Ticket gefahren- ab und zu zumindest, und nie ganz ohne schlechtes
Gewissen...
Sport darf sein
Gleich ums Eck liegt das wohl schönste Hallenbad der Welt...
Glücklicherweise ist Ostern- da ist Samstag ausnahmsweise kein FKK-Schwimmen sondern ganz normaler Schwimmbetrieb... Glück gehabt.
Flughafen Tempelhof ist Paradies für alles Mögliche.

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